Alessa hat keine Angst vor Langeweile

U-18-Porträt: Drei Starts bei der DM

NORDERSTEDT -

Alessa Dörling blickt an ihren Beinen hinab, begutachtet ihre Arme und lächelt. "Ich glaube, da sind keine Narben mehr", sagt sie. Die 17 Jahre junge Langstreckenschwimmerin vom Hamburger SC hatte bei den deutschen Freiwassermeisterschaften im Sommer in Strausberg am eigenen Leib erlebt, wo der Unterschied zwischen Fluß- und Seewettbewerben und Hallenveranstaltungen ist.

Während im wohl temperierten Chlorwasser jeder Athlet sein eigenes "Revier" hat und ungestört seine Bahnen ziehen kann, kommt sich die Konkurrenz beim Freiwasserschwimmen recht nahe - und ist dabei nicht gerade zimperlich. "Es wurde getreten und gekratzt. Ab und zu wurde ich sogar untergetaucht", erinnert sich Alessa, die sich als Zweitbeste ihres Jahrgangs über 5000 Meter für die Junioren-Europameisterschaften im slowenischen Bled qualifizierte und Silber mit der Mannschaft holte.

Ab morgen ist Alessa, die seit diesem Sommer für den Hamburger SC startet und am Olympiastützpunkt Hamburg trainiert, bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Essen im Einsatz. Über 200, 400 und 1500 Meter Freistil wird sie sich mit der Konkurrenz messen. Eigentlich sind ihr diese Strecken zu kurz. "Ich möchte im kommenden Jahr 25 Kilometer schwimmen. Ich will einfach das Gefühl kennenlernen, so etwas geschafft zu haben", lautet ihr Ziel. Angst vor Langeweile und den zu erwartenden mehr als fünf Stunden Dauerschwimmen hat sie nicht. "Man muß immer aufpassen, was die anderen machen. In der Gruppe ist es viel interessanter, als immer nur alleine zu schwimmen. Irgendwie gehen 5000 Meter im See auch viel schneller vorbei als im Schwimmbad", sagt die angehende Physiotherapeutin, die bis vor einem Jahr noch skeptisch war. "Ich mochte die langen Strecken nie besonders gern. Aber meine Zeit bei der Deutschen Meisterschaft 2004 über 1500 Meter war sehr gut. Da habe ich mir gedacht, ich versuche es mal", so Alessa Dörling, die sich auch 2006 wieder für die Junioren-Europameisterschaften qualifizieren möchte.

Stützpunkttrainer Carsten Gooßes traut seinem Schützling einiges zu: "Sie hat die nötige Robustheit und Zähigkeit für das Langstreckenschwimmen", urteilt der 31jährige Landestrainer, der die Norderstedterin im Dulsbergbad betreut. Die Tugenden, die der Coach ihr bescheinigt, bestätigt Alessa auch im täglichen Leben. Noch bevor sie ihren Ausbildungsplatz, die Grone-Schule in der City Nord, erreicht, wird von 6 bis 7 Uhr morgens geübt. Bis 15.30 Uhr wird danach gepaukt, anschließend geht es wieder ins Schwimmbad und zum Krafttraining. Alessas Einsatz und ihr Durchhaltevermögen könnten sich 2008 in Peking auszeichen, denn dann soll Langstreckenschwimmen olympisch sein . . .

pam

erschienen am 23. November 2005