Junioren-EM
erschienen am 29. Juni 2005 in der Norderstedter Zeitung (Beilage im Hamburger Abendblatt)
 

Ein Traum wird wahr

Schwimmen: Die Norderstedterin Alessa Dörling startet bei der Junioren-Europameisterschaft.

Von Anne Pamperin

Norderstedt - Nach einer Stunde scheint alles vorbei zu sein. Alessa Dörling (Startgemeinschaft Wasserratten) krault bei den Deutschen Freiwassermeisterschaften in Strausberg ins Ziel. Sie ist zwar erschöpft, aber dennoch hochzufrieden mit sich und der Welt. "Jetzt habe ich endlich Ferien", sagt sie zu ihrem 

Trainer Jörg Freyher, der die 17jährige am Straussee in Empfang nimmt. Aber der 31jährige schüttelt nur grinsend den Kopf und sagt: "Daß du Ferien hast, glaube ich nicht."Der Grund ist allerdings alles andere als unangenehm: Denn als Zweite ihres Jahrgangs löste Alessa das Ticket zur Junioren-Europameisterschaft im Langstreckenschwimmen in Bled (Slowenien).

"Von einer EM-Teilnahme habe ich schon geträumt, als ich noch im Schwimminternat in Potsdam war. Ich dachte aber nicht, daß das jetzt noch klappen würde", so Alessa, die im Jahr 2003 zur Startgemeinschaft Wasserratten nach Norderstedt wechselte.

Ursprünglich war die 800-Meter-Strecke ihre Lieblingsdisziplin. "400 Meter sind zu kurz, 1500 Meter zu lang", hatte sie noch vor einem halben Jahr festgestellt. Doch das ist Schnee von gestern. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin wurde Jörg Freyher empfohlen, Alessa doch auch einmal eine längere Strecke schwimmen zu lassen. "Also habe ich sie gefragt, ob sie Lust dazu hätte. Eine Woche später war die Entscheidung gefallen", so Freyher.

"Ich mochte die langen Strecken eigentlich noch nie besonders gern. Aber meine Zeit bei der Deutschen Meisterschaft über 1500 Meter war sehr gut. Da habe ich mir gedacht, ich versuch es einfach mal", so Alessa Dörling.

Die Erfahrungen, die sie bei ihrem ersten Einsatz im Freigewässer machte, waren indes alles andere als angenehm. "Eine Schwimmerin mußte sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil sie einen Tritt in den Magen bekommen hat", so die Norderstedterin, die in diesem Jahr eine Ausbildung zur Physiotherapeutin angefangen hat. "Die erste halbe Runde war schrecklich. Ständig wurde ich untergetaucht und getreten. ,Das mache ich nie wieder', habe ich mir da zunächst gedacht."

Doch der Wettkampf entwickelte sich dann doch noch äußerst positiv. Der sechste Platz in der offenen Klasse und Rang zwei bei den Mädchen des Jahrgangs 1988 sind ein Indiz dafür, daß die Entscheidung für die DM-Teilnahme genau richtig war. "Irgendwie gehen 5000 Meter im See auch viel schneller vorbei als im Schwimmbad", so Alessa Dörling.

Die meisten Kilometer "reißt" sie nach wie vor im "Arriba"-Erlebnisbad ab, aber Jörg Freyher will auch Trainingseinheiten im Wilstedter Badesee in die EM-Vorbereitung einbauen. Die Betreuung seiner Schwimmerin bei den Titelkämpfen in Slowenien am 30. Juli wird dann aber definitiv die letzte Tätigkeit des zukünftigen Nachwuchstrainers des Hamburger Schwimmverbandes für die Startgemeinschaft Wasserratten sein.

Am 1. August soll sein Nachfolger am Beckenrand stehen. "Daß ich die Vorbereitung für die EM noch übernehme, ist doch selbstverständlich", so der Coach, der sich allerdings noch zwei Wochen auf Kreta erholen wird. Seine Vertreterin ist Nicole Trottenberg, die sich als DM-Dritte über 10 000 Meter mit dem Freiwasserschwimmen bestens auskennt.

erschienen am 29. Juni 2005 

 


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