Pfingstwochenende in Friedrichstadt
25. - 28. Mai 2007 in Friedrichstadt


Brigitte: “Steffi, ich muss Dich mal eben killen!” - Oder ein Pfingstwochende in Friedrichstadt mit einer fast eingerosteten Betreuerin

von Stefanie Jacob

Wie konnte es bloß so weit kommen?

Es fing alles am Freitagnachmittag vor Pfingsten an, da machten sich 12 HSC-Kinder, Brigitte, Andreas Lenz und meine Wenigkeit auf nach Friedrichstadt. Ein wenig aufgeregt war ich ja schon, denn leider habe ich meinen Überblick über die Kinder im HSC aus beruflichen Gründen verloren. Aber mit Sprüngen ins (kalte) Wasser, bin ich ja bestens vertraut.

Friedrichstadt ist ein kleines, niedliches Städtchen mit etwa 2000 Einwohnern. Es wird auch Holländerstadt genannt und hat echte handausgehobene Grachten und erinnert nicht nur dadurch sehr stark an Amsterdam. Der erste Abend wurde mit Kennlern-Spielen verbracht, so dass einige Kinder und Betreuer schon schnell einen Spitznamen weg hatten. Wieviel ein einzelner Mann an Klopapier braucht, um ein größeres Geschäft zu erledigen, wird unser witziges Geheimnis bleiben. Zum Schluss des Abends erklärte und startete ich das Mörder-Spiel. 

Das Spiel läuft über mehrere Tage und Ziel ist es herauszukriegen wer der durch Zufall bestimmte Mörder ist. Wer von dem Übeltäter die vorher bestimmt Tatwaffe gezeigt bekommt, gilt als ermordet. Damit es keine Zeugen gibt versucht der Mörder seine Opfer allein anzutreffen. Da die Opfer ja nicht wirklich tot sind, dürfen sie den anderen natürlich nicht verraten wer der Täter ist. Altersangaben für das Spiel waren nicht zu finden und deshalb wollten wir es einfach versuchen.

Der Morgen begann gleich mit Dauerregen. Während ich mich noch über das Wetter ärgerte und mich fragte, was wir denn jetzt bloß mit den Kindern anstellen, spielte Brigitte ihre ganze Erfahrung aus. Mit beneidenswerter Souveränität begann sie gleich nach dem Frühstück mit dem Alternativ-Programm T-Shirts bemalen. Kinder denkt dran, vor dem Waschen bügeln. Sonst war alle Müh umsonst! Für die schnell-malenden Kinder zauberte Brigitte Spielgeräte aus ihren Taschen, so dass sich keiner langweilen brauchte. Alex' Schuh als Pfand bei der Herbergsmutter brachte uns einen Ball für den Tischkicker im Casino ein und im Nu war der ganze Vormittag verspielt.

Nachdem Mittagessen hatte es mit dem ununterbrochenen Bindfadenregen endlich ein Ende und wir konnten die Stadt erkunden. Es ist erstaunlich was für eine magische Anziehung Läden auf Kinder doch ausüben... Nachdem wir uns etwas umgeschaut hatten, sind wir in die Modelleisenbahnausstellung gegangen. Die ist zwar viel kleiner als in Hamburg, wir mir zwei Jungs entrüstet erzählten, aber nachdem es dann einmal Nacht wurde waren alle ganz angetan... 

Der erste Mörder war zu diesem Zeitpunkt übrigens längst entlarvt. Aber da sogar Detektivclubs gegründet wurden (soviel dazu, man darf mit keinem darüber reden), starteten wir einfach einen zweiten Versuch. So gab es gleich einen Neustart
Für das Abendprogramm hatten sich Antonia, Pauline und Nu-Nu ein paar Spiele ausgedacht. Nachdem ich wie ein Schlange den Boden gewischt habe, um auf den rechten freien Platz von Frederik zu kommen, spielten wir noch Mord im Dunkeln.
A propos Mord der zweite Versuch des Mörderspiels scheiterte ebenfalls kläglich. Einige Kinder meinten doch glatt, wer die Augen verschlösse könne nicht ermordet werden. Auf alle Fälle war Antonia die Mörderin und ich hatte erst einmal die Nase voll... Dennoch starteten wir einen weiteren Versuch.

Der Himmel am nächsten Morgen war zwar wieder grau, aber wenigstens blieb es trocken. Wir starteten nach dem feudalen Frühstück (sogar Sonntags gibt es Brötchen in der Jugendherberge!) eine Stadtrallye. Sie war ganz interessant von Brigitte gestaltet worden. Denn die Fragen standen nicht in der chronologischen Reihenfolge auf dem Zettel, sondern die Kinder mussten mit Hilfe eines Stadtplans den optimalen Weg herausfinden. In meiner Gruppe mit Sebastian, Frederik, Alex und Luca hat dies für ziemliche Umwege gesorgt, aber wir hatten unseren Spass und die Sonne guckte auch ein paar Mal hinter den Wolken hervor. Leider haben wir verloren, aber wenn ein Stadtführer der Holzpantinen an hat, uns nicht mal das richtige Gründungsdatum von Friedrichstadt nennen kann, ist das ja auch kein Wunder. 

Am Nachmittag fuhren wir mit Tretbooten durch die Kanäle von Friedrichsstadt. Ich hatte mich etwas in der Zeit vertan, so dass meine beiden “Motoren” Philipp und Sebastian auf dem Rückweg ganz schön treten mussten. Aber nachdem die beiden meine Handtasche als Anker benutzen wollten, war dass nicht weiter tragisch.

Nach der Siegerehrung (Antonia, Pauline und Nu-Nu mit Daniel in der Gruppe hatten gewonnen) veranstalteten wir ein spannendes Völkerballspiel und ich fühlte mich wieder wie in der 5. Klasse.

Und das Mörderspiel? Irgendwie war es den ganzen Tag ziemlich ruhig um den dritten Mörder und so hatte ich mich schon auf weiteren Misserfolg eingestellt. Völlig sorglos ging ich daher auch mit Brigitte auf unser Zimmer. Urplötzlich stand sie mit dem Schlüsselanhänger aus Namibia (hatten wir als Tatwaffe benutzt) in der Hand vor mir: "Steffi, ich muss dich mal eben killen!" hörte ich sie sagen und nur langsam dämmerte mir was sie damit meinte.

Am letzten Tag hieß es Koffer packen und Zimmer aufräumen. Ein paar Kinder waren richtig aufgeregt, dass um sechs das erste Mal an unsere Tür geklopft wurde. Wir wurden höflich gebeten uns an der Suche nach der unauffindbaren Brotdose zu beteiligen. Nur wenige Minuten später erreichte uns die nächste Hiobsbotschaft. Kai klärte uns auf, dass ihn jemand geärgert hatte und dieseer jemand jetzt nicht mehr sein Freund sei.

Die Zimmer wurde in einer Präzision sauber gemacht, die hatte ich noch nicht erlebt, sogar Arbeitsteilung war angesagt. Von der Herbergsmutter Frau Weiss, die alles weiß, gab es sogar ein Extra-Lob.

Am Vormittag wurde noch viel draussen und drinnen gespielt und die Jungs hatten sich schon sehr verbessert im Springtauspringen, dass ist eben doch nicht nur etwas für Mädchen....

Etwas verspätet konnten wir dann doch noch eine Grachtenfahrt unternehmen, die für einige Teilnehmer sehr spannend war;) Durch eine unplanmäßige Verspätung musste die Mittags-Pizza schnell gegessen werden und ein Besuch bei Edeka war auch nicht mehr drin. Der Zug kam pünktlich und die Rückfahrt war davon geprägt, dass wir keine Sitzplätze reserviert hatten und unsere kleine HSC-Gruppe in der gesamten Nord-Ostsee-Bahn versprengt saß. Schade.

Friedrichsstadt war wirklich ein Super-Wochenende. Es ist fast eine Art Gehirnwäsche wenn man vier Wochen vor der eigenen Hochzeit all seine Probleme vergisst und sich stattdessen um Schnürsenkel, verlorene Trinkflaschen und Kinder kümmert, die nicht einschlafen können oder Heimweh haben. 

Es war herrlich sich keine Gedanken ums Essen machen zu müssen und auch Abwaschen scheint in den Jugendherbergen total aus der Mode gekommen zu sein. Die Kinder waren alle sehr nett und lieb und ich würde jederzeit wieder mitfahren. Ich danke Euch und vor allem Brigitte für das schöne Wochenende.

Eure 
Spaghetti-Steffi aus dem Jugendausschuss

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